“Von den schweren Zeiten wird bestimmt noch nach Generationen gesprochen“
Der Vortrag von Cornelius Bracht über die Lebensstationen seines Großvaters Bernhard Bracht fesselte am Donnerstag, dem 29.01.26, die Schülerinnen des 10. Jahrgangs. Begleitet wurde er von seiner Frau Katharina Bracht, die den Bogen ins Hier und Jetzt der Jugendlichen schlug: Zu Beginn bat sie die
Schülerinnen, persönliche Ängste auf rote Zettel und Hoffnungen auf grüne Zettel zu schreiben.
Während Cornelius Bracht im Anschluss Dokumente, Karten und Fotos seines Großvaters aus Frankreich und Russland zeigte und aus dessen Feldpostbriefen
vorlas, herrschte im Raum absolute Stille. Besonders bewegend war die Schilderung eines Weihnachtsfestes, das Bernhard Bracht auf einem Staatsgut gemeinsam mit russischen und deutschen Soldaten verbrachte.
In seinen Feldpostbriefen schilderte Bernhard Bracht, der eigentlich Landwirt war, nicht nur seine tiefe Sehnsucht nach Heimat und Familie, sondern auch die
Landschaften, ihre Weite und Fruchtbarkeit. Trotz der Kriegsumstände zeugen die Briefe von einem Menschen, der genau hinsah und seine Umgebung
bewusst wahrnahm. Als Hauptmann pflegte Bernhard Bracht zudem ein herzliches und respektvolles Verhältnis zu seinen Mitmenschen – unabhängig
davon, ob es sich um andere Soldaten oder um russische Bewohner handelte.
In die Heimat kehrte er jedoch nicht zurück: Bernhard Bracht starb 1954 in russischer Kriegsgefangenschaft. Neben den Feldpostbriefen ist der Familie ein Koffer geblieben, in dem sich unter anderem die Uniform und ein Mantel des Großvaters befinden. Diese persönlichen Erinnerungsstücke machten die historischen Ereignisse für die Schüler*innen besonders greifbar.
Der Vortrag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und zeigte eindrücklich, dass die Erfahrungen vergangener Generationen bis heute nachwirken.